Sie betreiben Ihre Oracle Datenbank unter Windows und Ihnen geht der lokale Speicherplatz allmählich aus? Trotzdem soll natürlich weiterhin archiviert werden und auf die regelmäßigen RMAN-Backups wollen Sie verständlicherweise auch nicht verzichten. Haben Sie sich nicht schon häufiger gefragt, ob es keine Möglichkeit gibt, die Archivelogs und die RMAN Backupsets direkt auf einem Remote-Rechner zu erzeugen? Im vorliegenden Tipp erfahren Sie, wie Sie genau dies erreichen können.
Die Frage nach Remote-Archivierung (ohne eine Standby Datenbank aufbauen zu müssen) ist bestimmt nicht neu und eigentlich auch schon seit Längerem realisierbar gewesen. Der Versuch der Umsetzung führte allerdings oftmals zu größeren Frustrationserlebnissen. Stattdessen wurde der verfügbare Speicherplatz einfach um eine lokale Platte erweitert.
Hier nun die Schritte, die für eine (hoffentlich) erfolgreiche Einrichtung notwendig sind.
Da es in aller Regel an den Berechtigungen scheitert, muss auf Zielseite zunächst ein Administrator-Account eingerichtet werden. Dafür ist der gleiche Name und das gleiche Passwort wie auf Quellseite zu vergeben. In unserem Beispiel ist das der Benutzer "schulung" mit einem (natürlich streng geheimen) Passwort.
Damit remote archiviert werden kann, benötigen Sie eine Freigabe auf dem Remote-Rechner. Geben Sie z.B. das Verzeichnis C:\Temp frei, so dass der Benutzer "schulung" lesend und schreibend darauf zugreifen kann. Als Zielverzeichnis für die archivierten Redo Logfiles und evtl. die RMAN Backupsets wird innerhalb von C:\Temp noch das Verzeichnis "FRA" angelegt.
Standardmäßig laufen alle Oracle Dienste unter dem "Local System" Account. Stellen Sie diese auf den lokalen Administrator "schulung" um. Dazu gehen Sie in den Eigenschaften des Dienstes auf die Registerkarte "Anmelden" und wählen "Dieses Konto" für die Anmeldung aus. Tragen Sie nun den Benutzer "schulung" und sein Kennwort ein.
Anschließend erhalten Sie die folgenden Windows-Meldungen
Danach starten Sie den Dienst neu. Achten Sie darauf, dass alle gestarteten Oracle Dienste unter dem selben Account laufen. Hier sind das die Dienste "OracleService<sid>" und "Oracle<Home>TNSListener".
Im letzten Schritt definieren Sie Ihr Remote-Verzeichis als neues Zielverzeichnis für die Archivelogs und/oder Backupsets. Bei der Pfadangabe sind allerdings nur UNC-Pfade erlaubt. Die Verwendung von Laufwerksbuchstaben wird bei Remote-Verzeichnissen nicht unterstützt.
Das Zielverzeichnis kann sowohl über die Flash bzw. Fast Recovery Area gesetzt werden, als auch direkt über einen der log_archive_dest<n> Parameter. Zulässig sind folgende Beispiele:
Falls Sie die Fast Recovery Area auch für Ihre RMAN Backups verwenden, lassen sich somit auch die Backupsets direkt auf einem Remote-Server erzeugen, ohne dass Sie irgendetwas an Ihren Backup-Skripten verändern müssen.
Nicht zulässig ist folgende Angabe (trotz eingerichteter Netzlaufwerksverbindung Z:)
Sind die oben beschriebenen Schritte 1-3 vorgenommen worden, so lassen sich ebenfalls Control- und Online Redo Log-Dateien sowie das SPFILE remote verwenden.
Soll das SPFILE remote genutzt werden, verschieben Sie es in das Remote-Verzeichnis und erstellen Sie eine INIT<sid>.ORA Datei mit folgendem Inhalt:
Auch Datendateien lassen sich auf diese Weise remote anlegen, allerdings kam es bei unseren Tests zu wiederkehrenden Fehlermeldungen in der Alertdatei.
Dies hatte zwar keine (merkbare) Auswirkung auf die Verfügbarkeit der Datendatei und deren Inhalt, aber besonders beruhigend ist diese Fehlermeldung auch nicht.
Das Ablegen von Oracle Dateien auf einem Remote-Rechner ist also keine Hexerei und mit wenigen Schritten durchführbar.
Allerdings ist zu beachten, dass Sie in all diesen Fällen auf eine permanent bestehende (und auch schnelle) Netzwerkverbindung angewiesen sind, ansonsten hängt Ihr Datenbanksystem oder stürzt im schlimmsten Fall sogar ab.
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